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Das Weihnachtsgeschäft ist vorbei und viele lokale Einzelhändler machen am Ende des Jahres Kassensturz. Dieser fällt für viele Geschäfte ernüchternd aus, verzeichnet doch seit Jahren der Online-Handel ein stetiges Umsatzwachstum wohingegen der  stationären Handel laut der Studie Handelsszenario 2020 der IFH Köln weiter stagniert.

Ein möglicher Lösungsansatz wird heute in einem Bericht der Welt vorgestellt. Dienstleister wie Atalanda bieten seit einiger Zeit Lösungen für einen lokalen Online-Marktplatz an. Wuppertal ist eine der ersten Städte, die mit dem Marktplatz Onlinecity-Wuppertal Erfahrungen sammeln. Lokale Geschäfte stellen sich auf der Website vor und bieten ihre Produkte an. Hierbei setzt die Lösung auf die emotionale Bindung der Kunden an die stationären Geschäfte und auf eine schnelle vor Ort Verfügbarkeit.

Gerrit Heinemann betrachtet diese Plattformen nicht als „Zauberlösung“ und befürchtet bei aller Euphorie, dass die notwendigen Verbesserungsmaßnahmen der stationären Gegebenheiten dabei auf der Strecke bleiben könnten.

Eine weitere Herausforderung stellt in meinen Augen die lokale Konkurrenz der Geschäfte dar. In Städten, wie auch im Internet, stehen verschiedenste Anbieter für gleiche oder ähnliche Produkte zur Auswahl. Einzelhändler kämpfen auch lokal um den größten Marktanteil sei es beispielsweise im Buchhandel, in der Bekleidung oder im Schmuckbereich. Ein lokaler Online Marktplatz legt die stationäre Konkurrenzsituation in Verfügbarkeit und Preis offen und führt zu einem höheren internen Wettbewerbsdruck. Eine Hürde für einen lokalen OnlineMarktplatz wird es sein, dass jeder Ladenbesitzer  zunächst einmal seinen eigenen Nutzen und nicht den Gesamtnutzen der lokalen Einzelhändler maximiert. Es bleibt zukünftig zu klären, wie hier eine Interessensgemeinschaft entstehen kann. Es wird schwer werden, online ein einheitliches Bild des Eizelhandels einer Stadt darzustellen.

Wer entscheidet zum Beispiel über die Priorisierung der Artikel und Unternehmensdarstellungen im Webshop? –

Momentan werden die lokalen Geschäfte auf Onlinecity-Wuppertal nach der Anzahl der angebotenen Artikeln absteigend sortiert. Der Dienstleister Atlanda belohnt also zunächst die Händler, die möglichst viele Produkte online anbieten. Dies ist anfänglich sicher ein guter Anreiz, um die lokalen Geschäfte zum Mitmachen zu bewegen, langfristig ist diese Methode allerdings zu wenig am Endkunden orientiert und geht damit am Ziel, eine alternative zu Amazon und Co. zu sein, vorbei. Nur wenn man es schafft, die online Kundenorientierung über die einzelnen Interessen des Einzelhandels zu stellen, können diese Plattformen mit den großen Onlineplayern langfristig konkurrieren.

Ein lokaler Online Marktplatz ist nicht das Heilmittel des stationären Einzelhandels. Zukünftig werden die lokalen Ladengeschäfte überleben, die es schaffen, sich den Bedürfnissen des Kunden anzupassen und Sortiment, Kommunikation und Prozesse auch onlinetauglich zu gestalten. Dies erfordert viel mehr als eine günstige Möglichkeit, seine Produkte online zu präsentieren. Vielmehr muss ein Umdenken jedes einzelnen Einzelhändlers stattfinden.